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Die Haltung des Supervisors

Die Haltung des Supervisors

„Haltung!“

Mit dem Wort Haltung assoziieren Menschen unterschiedlichen Alters auch unterschiedliche Bilder. Nicht selten antwortet eine Generation spontan: „Nehmt Haltung an!“

Ein militärischer Unterton schwingt automatisch mit.

Nur, blendet man eben diesen gedanklich aus und besinnt sich auf eine physikalische oder auch soziologisch, psychologische Betrachtungsweise des Wortes Haltung, wird seine, in der  heutiger Zeit noch wichtigere Bedeutung klar.

„Nehmt Haltung an!“ kann dann auch heißen „bezieht Stellung!“ und „habt eine Meinung“!

Dieser Appell bezieht sich ebenfalls auf eine, die Atmung begünstigende Körperhaltung, welche in zirkulärer Wechselwirkung zum inneren Leitbild steht und in meiner Arbeit immer auch Berücksichtigung findet.

Als Beratende in unterschiedlichen Funktionen ist es unabdingbar eine klare Haltung einzunehmen.

 

„Die supervisorische Haltung ist allparteilich, kontextsensibel und beachtet die Genderperspektive. Reflexion und Lösungsorientierung erfolgt nicht linear; die systemische Supervisorin/der systemische Supervisor denkt vielmehr in Wechselseitigkeiten und in Wechselwirkungen.“  formuliert die DGSF (Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) in ihrer Internetpräsenz.

In ihrer Grundlagenbroschüre (2012:19) und ihren ethischen Leitlinien (2003:3f.) hält die DGSF fest, dass Supervisoren jedem Menschen respektvoll begegnen und sich durchaus ihrer Beratungsverantwortung in Bezug auf Abhängigkeiten bewusst sind.

Für mich heißt selbstkritisch zu sein, sich der Paradoxie bewusst zu werden, dass das vom Supervisanden Geschilderte, in der eigenen Wahrnehmung und mit der eigenen, individuell empfundenen Wirklichkeit verknüpft wird. Demnach gilt es die Suche nach der  Wahrheit gar nicht erst anzutreten, sondern  dem Supervisanden achtsam, wertschätzend und situationsgerecht, das soeben selbst Wahrgenommene anzubieten.

Aktives Containment [1] seitens des Supervisors, bietet in Form der angebotenen eigenen Beobachtungen und Gefühlswahrnehmungen, dem Supervisanden wichtige Daten für seine Hypothesen- und Interventionsbildung (vgl. Loebbert, M. 2016:23).

Diese Form der Auseinandersetzung geschieht immer mit dem Blick auf die Ressourcen des Supervisanden, um an dieser Stelle anzusetzen und praktische Interventionen anknüpfen zu können.

[1] Das Konzept des Containment ist laut Loebbert (2016) auf Wilfred Bion zurückzuführen. Helfende Personen sollten für die bedrohlichen und negativen Anteile ihrer Klienten und ihrer selbst offen bleiben. Sie aushalten (to contain) und die in diesem Kontext erfahrenen eigenen Wahrnehmungen wiederum dem Klienten anbieten. (Vgl. Loebbert, M. 2016:23)

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