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Die neue VUCA – Welt braucht Komplementarität!

Die neue VUCA – Welt braucht Komplementarität!

Akzeptiert man als Beratender für den grundlegenden, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel die Bezeichnung „VUCA-Welt“, begegnen einem viele Empfehlungen. Klassische Beratungsansätze, orientiert an linearen Kausalketten, werden zunehmend hinterfragt. Mit Recht, da bereits in der Analysephase der Fokus rein auf Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, zum Irrweg würde. 

Auf der Suche nach dem richtigen Beratungsansatz stellt sich mir Frage, ist diese Welt – die VUCA-Welt – wirklich so neu?

Als Beraterin nutze ich meinen komplementären Ansatz, der auf einer systemischen Grundhaltung basiert. Die Bezeichnung systemisch scheint jedoch, aufgrund ihres inflationären Gebrauches, an Stellenwert zu verlieren. Vergessen wird dagegen, welche Wurzeln den systemischen Ansatz nährten und schließlich die Systemtheorie populär werden ließen.

Zeitreise

Dabei war der Ursprung oder besser der damalige Zeitgeist, ebenfalls eine VUCA[1]-Welt!

Eine Welt, zu einer Zeit großer menschlicher, wirtschaftlicher und gesamtgesellschaftlicher Krisen. Insbesondere Europa lebte in Unsicherheit. Die Grundmauern des „Hier und Jetzt“ waren tief getroffen und ein Zutrauen in die Zukunft war für viele Menschen mit Angst verbunden. Beständigkeit gab es nicht mehr und die Herausforderung waren mehr als Komplex. Informationen unterlagen mehrdeutigen Interpretationen

Wir schreiben die Jahre von 1946-1953. Eine Zeit, die durch den Wiederaufbau, gesellschaftliche Neuerfindung und auch von Verdrängung geprägt wurde. In den USA fanden zu dieser Zeit die Macy-Konferenzen statt.

Ihre Besonderheit war die interdisziplinäre Zusammensetzung der Teilnehmenden, die letztendlich die Energiequelle für die Entstehung eines neuen Denkansatzes lieferte. Regelmäßig Teilnehmende waren unter anderen Kurt Lewin (Psychologe); Heinz von Foerster (Physiker) sowie auch Gregory Bateson (Biologe und Anthropologe) (Vgl. American Society for Cybernetics). Ihnen gemeinsam war, die Welt ähnlich zu betrachten und den Menschen in einer zirkulären Abhängigkeit zu seinem sozial-kulturellen Umfeld einzuordnen. Erst der gegensätzlich geführte Diskurs führte zur gegenseitigen Bereicherung und Entwicklung eines neuen Theorieansatzes, der späteren Systemtheorie.

Und heute?

Die heutige VUCA-Welt ist stärker geprägt von technologischen Entwicklungen, in einer immer schneller werdenden Zeitspirale und damit verbundenen zeitweise erschwerten Orientierung. Sie ist nicht „mehr“ komplex, sondern „anders“ komplex und die darin lebenden Menschen entwickelten sich ebenso rasant weiter. Sie nehmen, ähnlich wie vor 73-Jahren, den Bedarf an Transformation einerseits und der Anpassung andererseits wahr. Parallel dazu spüren sie jedoch auch die durchaus positiv energetischen Herausforderungen und geben Ihnen auch entsprechende Bezeichnungen, wie bspw. agiles Management. Gleichzeitig bedeutet dies jedoch auch, dass das vertraute „Schubladendenken“, welches bisher half zu reduzieren um zu verstehen, neue Parameter erhält.

Agil als einzige Konsequenz?

Agiles Handeln in einer VUCA-Welt bedarf der Komplementarität! Hierzu muss der Unterschiedlichkeit Raum gegeben werden, damit erneut vehemente Diskurse gegensätzlicher Strömungen stattfinden können.

Welche Konsequenz hat dies für die Praxis, in welcher heute von jedem einzelnen eine hohe innere Flexibilität erwartet wird?

Die Wirtschaft reagiert auf die Herausforderungen der VUCA Welt unter anderem mit dem gezielten Umbau ihrer eigenen Unternehmensarchitekturen. Dem folgend, entsteht nicht selten eine Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Organisationsformen (bspw. Matrix- und Projektform) innerhalb eines Organisationssystems. Wenn die „Fassade“ steht, wird die Statik unterstützt mit einem passend agilen Management, dessen Kern mitunter interdisziplinäre Teams vorsieht und dennoch immer noch nicht ausreichend eine Wertschätzung der individuellen Ressourcen liefert.

Es wird kontextangemessen flexibilisiert und trotzdem versäumt, neue Parameter der notwendigen Veränderung zu definieren.

Mehrperspektivität ohne Angst vor der Komplexität

Komplementarität, als wechselseitige Ergänzung verstanden, ist der Folgeschritt, um die aus der systemischen Mehrperspektivität gewonnenen Erkenntnisse, nutzbar zu machen. Somit wird die Gefahr verringert, den Gewinn an kreativen Ideen, aus Angst vor möglicher Paradoxie zu schmälern.

Der Unsicherheit, Mehrdeutigkeit, Komplexität und Flüchtigkeit der Umwelt angemessen entgegen zu treten bedeutet, die individuelle Kompetenz des Einzelnen zu berücksichtigen, welche sich durchaus von den Formalqualifikationen unterscheiden kann. Parallel werden emotionale Intelligenz und Resilienz einflussreiche Bewerbervorteile.

Komplementarität im Beratungsalltag bietet, ähnlich einer imaginären Denk-Cloud mit unendlicher Speicherkapazität, die Möglichkeit immer den richtigen Pfad zum jeweiligen Störfeld zu finden. Sozusagen eine Basis interdisziplinärer Mehrperspektivität zu schaffen, ohne aus Angst vor Komplexität zu früh den Diskurs zu scheuen.

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[1] Das Akronym VUCA steht für Volatility-Uncertainty- Complexity- Ambiguity. Entstanden ist der Begriff bereits in den 1990er Jahren seitens der Amerikaner, welche nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems die moderne, asymmetrisch geführte Kriegsführung damit beschrieben. Der heutige Gebrauch des Begriffes VUCA bezieht sich auf die sich schneller ändernden Umwelt Herausforderungen, die noch rasanteren Antworten bedürfen. Dies schließt sowohl die Gesellschaft als auch organisationale Weiterentwicklung ein. Volatilität (volatility) kann mit Flüchtigkeit beschrieben werden. Mit Unsicherheit (uncertainty) wird in diesem Modell die Unvorhersagbarkeit von Ereignissen gemeint. Komplexität (complexity) wird durch die Anzahl von Einflussfaktoren und deren gegenseitiger Abhängigkeit bzw. Interaktion beeinflusst. Ambiguität (ambiguity) beschreibt die Mehrdeutigkeit einer Situation oder auch Information. (vgl. www. vuca-welt.de)

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